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Folgen

Psychische Schäden

© Stuttgarter Zeitung

Oft spielt der sexuelle Missbrauch der Kinder mit vielen weiteren Faktoren zusammen, so beispielsweise Vernachlässigung, Verwahrlosung, Unsicherheit, Schutzlosigkeit, Ausbeutung, Hunger und Abhängigkeiten hinzu. Die psychischen Folgen, welche daraus resultieren sind oft irreversibel und begleiten die Opfer ein Leben lang. Besonders oft führt der Missbrauch zu Depressionen, Störungen der Persönlichkeit oder der sexuellen Orientierung, Verhaltensstörungen, welche durch aggressives Verhalten oder Wutausbrüche deutlich werden. Weitere Folgen können Schlafstörungen, Verlust des Selbstbewusstseins, Misstrauen oder Hass gegenüber Erwachsenen sein.

Zudem gelten die Kinder in der indischen Gesellschaft und ihren Familien oft als Schande und werden deshalb diskriminiert, verstossen und ausgeschlossen. Sie erhalten keinerlei Bildung, keinen Zugang zum Gesundheitswesen und leben somit in unhygienischen Verhältnissen auf der Strasse oder in Slums. Die ihnen entgegengebrachte Ablehnung und die damit einhergehende Einsamkeit bringen viele Kinder und Jugendliche in die Verzweiflung, sie fühlen sich schuldig und bekommen das Gefühl, minderwertig und wertlos zu sein.

Einstigen Kinderprostituierten ist es oft nicht möglich, den Weg in ein gewöhnliches Leben zu finden, oft werden ihre eigenen Kinder wieder zu Kinderprostituierten. Nicht selten sehen die Opfer des sexuellen Missbrauches die Selbsttötung als einzigen Ausweg.

Physische Schäden

© learngerman.dw.com

Kinderprostituierte leben oft auf der Strasse in unvorstellbaren Verhältnisse sie sind vielen Gefahren, unteranderem Unterernährung, Tuberkulose, Typhus, Lepra, Malaria und AIDS ausgesetzt. Auch Hautkrankheiten und Knochenbrüche treten häufig auf, diese bleiben so gut wie immer unbehandelt und führen dadurch oft langfristig zu Einschränkungen. Auch Folter durch ihre Peiniger*innen erleben die Kinder, sie werden eingesperrt, angekettet, geschlagen, vergewaltigt, mit Zigaretten verbrannt oder verstümmelt. Bis heute gibt es viele Opfer, welche die sexuellen Übergriffe nicht überleben, sie erliegen den Verletzungen, sterben an AIDS und Drogenmissbrauch oder begehen Suizid.

Drogenabhängigkeit

Ein weiteres Problem, welchem die Heranwachsenden ausgeliefert sind, ist die Drogenabhängigkeit. Um die Kinder gefügiger zu machen, setzen die Kinderschänder*innen sie unter Drogen oder beruhigen sie mit Alkohol. Viele der Kinder werden süchtig und sind somit weiterhin auf die Erwachsenen angewiesen, um an ihre Suchtmittel zu kommen. Andere prostituierte Kinder suchen in den Drogen Schutz vor der Realität, sie helfen ihnen, der Realität zu entkommen.

Intimverletzungen

Die Kinderkörper sind noch nicht ausgewachsen und in keinem Fall zu sexuellen Handlungen mit Erwachsenen bereit, die Täter sind oft grob und aggressiv, dies führt bei den Mädchen unter anderem zu Scheidenrissen. Auch blaue Flecken, Risse um die Genitalien, den Anus oder den Mund sind nicht selten zu beobachten. Die Verletzungen sind auf das gewaltsame Einführen des Penis in die Mädchen und Jungen zurückzuführen. Durch die Gewaltanwendung kommt es zu Schmerzen, welche sich auch beim Gehen und Sitzen bemerkbar machen. Mädchen klagen zudem über besonderen Scheidenausfluss, vaginale Blutungen und Juckreiz. Die Verletzungen am After können bis in den Darm gehen und im schlimmsten Fall eine Inkontinenz auslösen. Die Kinder wehren sich oft gegen die Gewalteinflüsse während des Geschlechtsverkehrs, dies macht die Täter*innen wütend und es kommt zur Folter gegen die Unbeugsamkeit. Verletzungen der Genitalien durch Verätzungen, Elektroschocks und Verbrennungen mit Zigaretten sind häufige Folgen von Folter.

HIV und AIDS

© dpa

Schätzungen von UNAIDS ergaben, dass in Indien über fünf Millionen Menschen HIV-infiziert sind, 120.000 von ihnen sind Kinder. Diese Zahlen sind erschreckend hoch und doch ist die Tendenz steigend, ein ausschlaggebender Grund hierfür ist die Kinderprostitution. Betroffene Personen werden ausgegrenzt und diskriminiert, Familie und Freunde wenden sich von ihnen ab, weshalb viele ihre Krankheit verheimlichen. Eine Studie der Boston University School of Medicine in Zusammenarbeit mit indischen Forschern zeigte, dass 58 Prozent von 211 befragten HIV-positiven Prostituierten ihren Kunden die Krankheit verheimlichen. Umgekehrt verschweigen auch 41 Prozent von 205 befragten Freiern bzw. Freierinnen ihre Erkrankung. Gründe für das Schweigen können das Unwissen über die Krankheit oder auch die Angst vor den Freier*innen und Sexualpartner*innen sein. Durch die Verschwiegenheit im Umgang mit HIV fehlt es an Aufklärung und Wissen, viele wissen nicht, wie die Krankheit verbreitet wird. Ein Grossteil der Freier*innen hingegen weiss, dass Kondome vor einer Übertragung schützen und doch lehnen sie diese aktiv und gewaltvoll ab. Andere Freier*innen denken, dass besonders junge Kinder sehr wahrscheinlich noch gesund sind, und wählen diese dann für den Geschlechtsverkehr aus. Kinder sind allerdings durch die hohe Verletzungsrate beim Geschlechtsverkehr besonders anfällig für Infektionen. Die Krankheit AIDS ist ein absolutes Tabuthema, aus Angst vor Ablehnung lassen sich viele nicht behandeln und sterben schlussendlich daran. Die Verstorbenen hinterlassen oft Kinder, welche nun auf sich allein gestellt in Armut ums Überleben kämpfen müssen.

Quellen und weitere Informationen:

Expertengespräch mit Dr. H. Schuhler am 28. Juli 2022

Aktiv gegen Kinderarbeit

DAHW DEUTSCHE LEPRA- UND TUBERKULOSEHILFE

Humanium – Kinderprostitution

Schlussstrich e.V.

Strassenkinderreport -Strassenkinder in Indien

Strassenkinderreport – Kinderprostitution

Report-K